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Hinter den Kulissen bei Meindl: Wir machen Bergschuhe aus Leidenschaft – und das seit über 300 Jahren

Über 300 Jahre Handwerkstradition – darauf kann der Berg- und Wanderschuhhersteller Meindl zu Recht stolz sein. Seit 1683 war immer ein Familienmitglied Schuhmachermeister im Ort und bis heute führt die Familie Meindl den Betrieb im bayerischen Kirchanschöring. Das MOC Ordercenter hat sich die Produktion vor Ort angesehen.

Doch aus der kleinen Schuhmacherei ist eine moderne Firma geworden, die ihre Schuhe rund um den Globus ausliefert. Hinter der Produktionsstätte von Meindl zeichnen sich vor dem blauen Himmel die schneebedeckten Berchtesgadener und Chiemgauer Berge ab, ein Paradies für Wanderer und Bergsteiger und natürlich die perfekte Inspirationsquelle für neue Modelle. „Wir machen Bergschuhe aus Leidenschaft“, sagt Lukas Meindl der zusammen mit seinem Bruder Lars das Unternehmen in mittlerweile 9. Generation führt.

Nicht nur deren Vater Alfons, der den lokalen Familienbetrieb mit anfangs zehn Mitarbeitern zu einer überregional bekannten Marke gemacht hat, war in jeder freien Minute in den Bergen unterwegs. Auch Lukas, der in der Firma für die Produktentwicklung und Produktion verantwortlich ist, verbringt sehr viel Zeit in den Bergen und holt sich hier Ideen für neue Modelle. Gleichzeitig sind die beiden Brüder Unternehmer, die den Spagat zwischen Tradition und Innovation meistern müssen. „Unsere Vision war immer und ist auch heute, ein verlässliches Produkt, einen qualitativ hochwertigen Berg- und Wanderschuh herzustellen. Das ist unsere DNA. Gleichzeitig jedoch müssen wir offen gegenüber Trends sein.“, erzählt Lukas Meindl.

Zweitschuh mit Barfußgefühl contra steigeisenfestem Bergschuh

Die Bandbreite der Modelle ist riesig. Vom zwiegenähten Bergschuh, dem eigentlichen Ursprung des Unternehmens über Trekking- und Freizeitschuhe aus Leder bis zum multifunktionellen Barfußschuh aus elastischem Nylon. „Die Idee zum ‚Pure Freedom‘ (faltbarer Zweitschuh) kam mir auf einer mehrtägigen Hüttenwanderung. Der perfekte Zweitschuh abends auf der Hütte oder auch für leichte Touren. Solche Entwicklungen müssen wir frühzeitig erkennen und entsprechend umsetzen.“

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Schuhmacher in neunter Generation

Alles begann 1683: Da tauchte der Name des Schuhmachers Petrus Meindl aus Kirchanschöring zum ersten Mal in einer Urkunde auf. 1928, dann bereits in der siebten Generation, wurde Lukas Meindl Senior selbstständiger Schuhmachermeister in der Ortschaft. „Auf dem Land haben die Leute schwere Schuhe getragen, Arbeitsschuhe“, erzählt Lars Meindl. „An Wanderschuhe hat damals niemand gedacht.“

Es war deren Vater Alfons, der später die ersten Meindl Bergschuhe vorstellte. „Eigentlich wollte mein Vater in München Mathematik und Physik studieren“, sagt Lars Meindl. Da die Familie kein Geld fürs Studium hatte, stieg Alfons in den Familienbetrieb ein und aufgrund seiner Leidenschaft für die Berge entwickelte sich schnell eine neue Geschäftsidee.

Alfons Meindl war jetzt, 1948, gelernter Kaufmann und brachte seine Geschäftsidee im elterlichen Betrieb ein. Sein Vater Lukas Senior und Alfons‘ Bruder Hannes, der Schuhmachermeister geworden war, ließen sich inspirieren und setzten seine Ideen handwerklich um. Mit Erfolg. Die Menschen hatten mehr Freizeit, der Bergtourismus wuchs, aber auch das Wandern generell wurde populärer.

Durch neue Sportgeschäfte und Sport- und Schuhmessen entstanden viele Möglichkeiten, das Sortiment weit über die Grenzen des Rupertiwinkels hinaus bekannt zu machen. Die Modellpalette wurde ständig erweitert, die Einsatzbereiche wuchsen: feste Lederschuhe, die ausreichend Schutz und Halt im Hochgebirge boten, weichere Modelle für leichte Wanderungen und natürlich die zwiegenähten Haferlschuhe zur Lederhose.

Um dem Kunden und auch dem Fachhandel eine Orientierungshilfe zu geben, entwickelte Alfons Meindl 1976 die bis heute gültige Einteilung in die Anwendungsbereiche „A“ bis „D“, die von vielen Mitbewerbern übernommen wurde und vorrangig die Stabilität des Schuhs beschreibt.

„Umweltschutz heißt auch sparsam sein“

Weitere Innovationen folgten: Beispielsweise 1979 die Entwicklung der ersten Multigriff-Vibram-Sohle für eine bessere Bodenhaftung und der erstmalige Einsatz der GORE-TEX-Membran bei Schuhen in Europa ab 1981. Eine erfolgreiche Partnerschaft die bis heute Bestand hat. Auch das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit lag den Meindls schon immer am Herzen. „Bereits 1970 haben wir mit dem Symbol ‚grüner Baum‘ gezeigt, dass uns die Umwelt am Herzen liegt. Der Müll wurde getrennt und es wurde recycelt was damals schon möglich war. Kartonagen wurden einem 2. Zyklus zugeführt.“, erzählt Lukas Meindl. „Für uns hieß und heißt Umweltschutz auch, sparsam mit den Ressourcen umzugehen und so z. B. Schuhe neu zu besohlen, bevor sie weggeworfen werden.“

In der Serviceabteilung stehen Rollwagen voll mit gebrauchten Wander- und Bergschuhen. „Wir versuchen alles am Schuh zu reparieren, was machbar ist“, betont Heinz Franke, der seit 30 Jahren bei Meindl arbeitet. Auch das gehört zur Firmenphilosophie: der Respekt vor der eigenen Arbeit und dem Material. Wegschmeißen? Geht gar nicht.

„Der Kunde möchte wissen, wo das Produkt herkommt.“

Nachdem das Thema Regionalität im heutigen Leben eine immer größere Bedeutung bekommen hat, entstand bei Meindl vor gut 10 Jahren die Idee der Identity Kollektion. Bei den Modellen der Identity Linie gibt Meindl einen detaillierten Herkunftsnachweis des verwendeten Oberleders. Eine eigene Vita jedes Schuhes, sozusagen von der Almwiese, auf der die Rinder weiden und leben, über die Gerberei, die das Leder in Deutschland nachweislich umweltschonend gerbt, bis hin zur Produktion. Schon beim Gerben wird das Leder mit einer Identifikationsnummer versehen. Diese Nummer wird im Produktionsprozess weitergeführt und findet sich in jedem fertigen Schuh. So kann der Besitzer der Meindl Identity Modelle nachvollziehen, von wo das Leder seiner Schuhe stammt. Übrigens handelt es sich bei dem verwendeten Material immer um Leder von Bio Rindern, die auf den Weiden in den Chiemgauer- Berchtesgadener und Salzburger Bergen lebten.

Erfolgsrezept: Klassiker & Trends

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Firma Meindl hat laut Lukas Meindl die gute Passform der Schuhe. Es ist wichtig, Schuhe für verschiedene Fußformen anzubieten. So hat sich die Linie Comfort fit als Problemlöser für Viele etabliert. „In denen steht der Kunde bequem, der Vorderfuß hat mehr Platz, und trotzdem hat man festen Halt in der Ferse.“ Viele Modelle sind in den vergangenen Jahrzehnten zu Klassikern geworden. So z. B. der Trekking-Allrounder ‚Island‘, der ‚Borneo‘ oder der robuste Berg-Klassiker ‚Perfekt‘. „Die Modelle sind die gleichen geblieben, aber wir haben sie immer weiterentwickelt“, sagt Lars Meindl. Den aktuellen Trend zum immer leichteren Schuh sieht der gelernte Schuhtechniker Lukas Meindl kritisch: „Dadurch wird die Schutz- und Stabilitätsfunktion reduziert. Ein trainierter und erfahrener Bergsportler kann natürlich mit leichten Halbschuhen den Berg rauf- und runtergehen. Aber jemand, der nur hin und wieder in den Bergen unterwegs ist, ist schnell überfordert, wenn es nass und schmierig wird.“ Daher empfiehlt er im Zweifelsfall lieber einen festeren, knöchelhohen Schuh zu wählen. Da steht dann auch der nächsten größeren Tour nichts mehr im Weg.

Auch im 21. Jahrhundert ist Schuhproduktion noch Handwerk

Insgesamt beschäftigt Meindl über 200 allein in Kirchanschöring. Es ist keine Seltenheit, dass Mitarbeiter 30 Jahre oder noch länger für das Unternehmen tätig sind. Die Produktion ist auf verschiedene Standorte in Italien, Ungarn und Slowenien verteilt. Am Stammsitz in Kirchanschöring werden alle echt Zwiegenähten Schuhe und stabile Bergschuhe produziert. Dazu kommt ein eigener Reparaturservice. Die Nachfrage steigt stetig und so werden aktuell täglich etwa 150 Neubesohlungen durchgeführt.

„Wir wollen an diesem Service auch in Zukunft festhalten und ihn weiter ausbauen. Nur, wenn der enge Kontakt zu unseren Kunden bleibt, wir weiterhin langjährige, treue und zufriedene Mitarbeiter beschäftigen und wir uns auch in Zukunft auf das Wesentliche, nämlich das Produkt, konzentrieren, bleiben wir glaubhaft und das schätzt am Ende auch der Endverbraucher.“
– Lukas Meindl

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